Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen … Die gesundheitlichen Folgen des Rauchens sind gut bekannt. Weitaus weniger bekannt sind die Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Dabei kann Rauchen sowohl bei Männern als auch bei Frauen die Chancen auf ein Kind verringern.*
Beim Mann: Auswirkungen auf die Spermien
Bei Männern, die rauchen, kann die Spermienqualität beeinträchtigt sein. Eine Analyse mit fast 6.000 Männern zeigt unter anderem, dass Raucher im Durchschnitt weniger Spermien haben, diese weniger beweglich sind und häufiger Auffälligkeiten aufweisen. Je höher der Zigarettenkonsum, desto stärker scheinen diese Auswirkungen zu sein.**
Rauchen kann außerdem die DNA der Spermien schädigen. Diese Schäden können ihre Funktion beeinträchtigen und sich auf die Befruchtung auswirken.*
Bei der Frau: Schwanger werden kann schwieriger sein
Bei Frauen verringert Rauchen die Fruchtbarkeit und kann dazu führen, dass es länger dauert, bis eine Schwangerschaft eintritt. Je mehr Zigaretten geraucht werden, desto stärker ist dieser Effekt. Auch eine starke Belastung durch Passivrauchen kann sich auf die Fruchtbarkeit auswirken.*
Rauchen kann zudem die Alterung der Eierstöcke beschleunigen. Frauen, die rauchen, kommen im Durchschnitt ein bis vier Jahre früher in die Wechseljahre als Nichtraucherinnen. Rauchen erhöht außerdem das Risiko für Fehlgeburten und Eileiterschwangerschaften.*
Und Nikotin?
Auch Nikotin selbst könnte eine Rolle spielen. Es ist nicht nur in klassischen Zigaretten enthalten, sondern auch in vielen anderen Produkten wie E-Zigaretten oder Nikotinbeuteln. Diese neuen Produkte werden heute besonders häufig von jungen Menschen konsumiert. Auch wenn sie nicht unbedingt die gleichen Schadstoffe wie Tabakrauch enthalten, sind sie deshalb nicht harmlos. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über ihre langfristigen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit entwickeln sich weiter.
Studien deuten darauf hin, dass es unter anderem oxidativen Stress erhöhen, bestimmte Hormone beeinflussen und die Funktion der Fortpflanzungszellen beeinträchtigen kann.³***

Ein großer Teil dieser Forschung wurde bisher jedoch an Tieren oder im Labor durchgeführt. Daher lässt sich noch nicht genau beurteilen, welche Auswirkungen Nikotin allein auf die Fruchtbarkeit beim Menschen hat.
Eine Studie mit jungen Männern zeigte beispielsweise eine geringere Gesamtzahl an Spermien bei denjenigen, die täglich E-Zigaretten nutzten.**** Die Studie zeigt einen Zusammenhang, kann jedoch nicht belegen, dass die E-Zigarette direkt dafür verantwortlich ist.
Für Nikotinbeutel gibt es bislang nur sehr wenige Daten zu möglichen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Da diese Produkte noch relativ neu sind, sind ihre langfristigen Auswirkungen auf die Fortpflanzungsgesundheit noch nicht ausreichend bekannt.
Die langfristigen Auswirkungen neuer Nikotinprodukte auf die Fruchtbarkeit müssen daher noch genauer untersucht werden. Bei Kinderwunsch ist ein Rauchstopp jedenfalls ein wichtiger Schritt, um die eigene Fruchtbarkeit und Gesundheit zu schützen.
Quellen
*Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine. Tobacco or marijuana use and infertility: a committee opinion. Fertility and Sterility. 2024;121(4):589–603.
**Sharma R et al. Cigarette Smoking and Semen Quality: A New Meta-analysis Examining the Effect of the 2010 World Health Organization Laboratory Methods for the Examination of Human Semen. European Urology. 2016;70(4):635–645.
***Bhardwaj JK, Siwach A, Sachdeva SN. Nicotine as a female reproductive toxicant—A review. Journal of Applied Toxicology. 2025;45(4):534–550.
****Holmboe SA et al. Use of e-cigarettes associated with lower sperm counts in a cross-sectional study of young men from the general population. Human Reproduction. 2020. 2020.




